Im Fairen Handel stehen die Menschen im Mittelpunkt, nicht der Profit
Eine einheitliche Definition sozialer Gerechtigkeit gibt es nicht, aber folgende Bereiche gehören dazu: die Verteilung von Vermögen und Einkommen, Bildungschancen und das Armutsrisiko. Aber auch der Zugang zum Gesundheitswesen und Arbeitsmarkt sowie politische Teilhabe spielen eine Rolle. Soziale Gerechtigkeit bedeutet außerdem, dass alle Menschen gleiche Rechte und Chancen haben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Einkommen. Ziel ist es, soziale Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft zu erreichen, aber auch zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden.
Immer noch starke Ungleichheiten weltweit
Doch noch immer leben rund 760 Millionen Menschen in extremer Armut, also mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag. Damit haben sie keinen Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und sozialer Absicherung. Frauen sind dabei oft besonders benachteiligt: Sie verdienen weniger, haben weniger Mitspracherecht und eingeschränkten Zugang zu Ressourcen – ein zentrales Thema sozialer Gerechtigkeit.
Um das zu ändern, braucht es faire Löhne und starke Arbeitnehmerrechte. Laut der Vereinten Nationen lebt weltweit weiterhin eine*r von fünf Arbeitnehmer*innen in mäßiger oder extremer Armut. Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns, um eine faire Wirtschaft zu erreichen, in der alle Menschen gleichermaßen von wirtschaftlicher Entwicklung profitieren.
In den letzten Jahren gab es eine kontinuierliche Erhöhung des Wohlstandes weltweit. Dabei fällt aber auf, dass der Abstand zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden noch genauso groß ist. Diese Lücke muss geschlossen werden, um soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Auch Deutschland ist als Land des Globalen Nordens mit dafür verantwortlich, dass geografisch, historisch und ökonomisch bedingte soziale Ungerechtigkeiten überwunden werden.
Fairer Handel führt zu mehr sozialer Gerechtigkeit
Der Faire Handel setzt auf gerechte Löhne und langfristige Partnerschaften. Arbeitsrechte werden gestärkt, ausbeuterische Strukturen abgebaut. Außerdem wird die Wertschöpfung im Rohstoffursprungsland gefördert, anstatt die Rohstoffe lediglich zu exportieren. Der Faire Handel geht gezielt gegen Benachteiligung vor – insbesondere von Frauen und weiblich gelesenen Personen – und eröffnet neue Chancen für Teilhabe, Selbstbestimmung und Verantwortung. Hier zwei Beispiele:
APROLMA – Starke Frauenorganisation aus Honduras
In den Bergen rund um Marcala in Honduras, wächst nicht nur aromatischer Bio-Kaffee – hier wächst eine Bewegung der Selbstbestimmung. 2013 haben Frauen die Asociación de Productoras Libres de Marcala (APROLMA) gegründet, um sich unabhängig zu machen von männlich dominierten Handelsstrukturen.
Gemeinsam mit Partnern wie der GEPA haben sich zwölf Frauen zu „Röstmeisterinnen“ qualifiziert. Damit übernehmen sie Schritte der Wertschöpfung, die sonst im Globalen Norden stattfinden, vor Ort und erzielen so höhere Einkommen. Heute gehören 69 Frauen der Kooperative an – sie pflanzen, ernten, rösten und vermarkten ihren Kaffee selbst.
Es geht uns darum, unsere Rechte als Frauen einzufordern. Wir haben das Recht, uns zu organisieren, an der Produktion beteiligt zu sein, zum Familieneinkommen beizutragen …
Global Mamas – Fair Fashion, die Frauen stärkt
Global Mamas ist ein Netzwerk mit mehr als 350 Frauen in Ghana, die durch den Fairen Handel neue Perspektiven gewinnen. In Werkstätten an der Küste fertigen sie handbedruckte Textilien, Schmuck und Naturkosmetik. Die Organisation setzt auf faire Löhne, Weiterbildung und Kinderbetreuung. Frauen können so Familie und Beruf besser verbinden und langfristig selbstbestimmt leben.
Was wir tun können
Soziale Gerechtigkeit braucht gerechte Strukturen – und unser Mitwirken. Wer bewusst fair gehandelte Produkte kauft, unterstützt menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit. Schon kleine Entscheidungen im Alltag können einen großen Unterschied machen.